Treff am Turm
Bildungsprogramm der Ev. Kirchengemeinde Möhringen

Das Treff am Turm Programm möchte mit seinen Angeboten Raum für Begegnung und Gespräche innerhalb der Kirchengemeinde schaffen.

Neben Kursen und Einzelveranstaltungen aus den Bereichen Glaube, Kultur, Familie, Gesundheit und Bewegung steht jedes Jahr eine Schwerpunktreihe im Mittelpunkt des Programms. In dieser Veranstaltungsreihe werden aktuelle gesellschaftliche Themen vor dem Hintergrund des christlichen Glaubens diskutiert.

Das Programmheft erscheint zweimal pro Jahr (Juli und Dezember), wird an alle Gemeindeglieder verteilt und liegt im Gemeindebüro aus.


Programm Herbst 2019

Deckblatt Treff am Turm-Programm

Liebe Interessenten unseres Bildungsangebots »Treff am Turm«,

Sie lesen Ihre Bücher online, ohne noch eine Buchhandlung aufsuchen zu müssen. Ihre Käufe tätigen Sie vom Computer aus, die Ware wird Ihnen an die Haustür geliefert. Das einzige, was Sie noch tun müssen, ist, die wenigen Schritte zur Haustür zu gehen. In vielen Bereichen müssen Sie schon gar nicht mehr selbst einen Einkauf tätigen; ein digitales System, in Ihrer Küche eingebaut, bemerkt schon, wenn im Kühlschrank oder in der Speisekammer etwas zur Neige geht und bestellt automatisch Nachschub. Das Putzen übernimmt der Putzroboter und das Rasenmähen der Rasenroboter. Eine Firma, einen Arbeitsplatz mit KollegInnen müssen Sie gar nicht mehr aufsuchen, denn Sie machen ja Homeoffice, das heißt, Sie verdienen sich Ihre Brötchen am heimischen Computer. Und wenn Sie abends oder im Morgengrauen ins Bett wanken, macht der Roboter für Sie das Licht aus.

Eine schöne Vision, von der vieles schon möglich ist oder dessen Verwirklichung kurz bevorsteht. Eine schöne Vorstellung, die das Leben in vieler Hinsicht erleichtert – keine Fahrten zum Supermarkt oder zum Arbeitsplatz mehr, kein lästiges im Stau oder in der Stadtbahn stehen, kein schweißtreibendes Putzen und keine ArbeitskollegInnen mehr, die uns vielleicht Nerven kosten. Aber das Ganze hat auch seine Schattenseiten: Wir müssen sehen, wie wir noch zu der nötigen Bewegung kommen und müssen die Zeit, die wir sparen, im Fitnessstudio zubringen. Und wir haben kaum noch Anlass, etwas von der Welt außerhalb unserer vier Wände wahrzunehmen und überhaupt anderen Menschen persönlich zu begegnen. Nicht allen ist vielleicht bewusst, wie sehr sich unser Leben vor allem durch die Digitalisierung in einem Wandel befindet. Vereinzelung, auch Vereinsamung, Individualisierung oder Anonymisierung sind Begriffe, mit denen Soziologen das zu umschreiben versuchen. Wir bemerken immer weniger die anderen und andere immer weniger uns. Das kann gut gehen, solange es uns gut geht. Aber wenn nicht...

Aufgabe einer christlichen Gemeinde ist es, Anregungen in die gegenteilige Richtung zu geben, und dies versuchen wir auch immer mit unserem Treff-am-Turm-Programm. Schon in der Vergangenheit haben wir auf die beschriebene Entwicklung hingewiesen, etwa durch den Vortrag über den Wandel in der Arbeitswelt und die Digitalisierung. In diesem Programm wollen wir Zeichen gegen den Trend setzen und Sie einladen, unseren Stadtteil – das heißt vor allem Möhringen – bewusster wahrzunehmen. Wir besuchen die Galerie Abtart, und ein Möhringer Abendspaziergang wird seinen Anfang an der Martinskirche nehmen; dort erinnert eine Darstellung des Namenspatrons bei der Mantelteilung (s. Umschlagfoto) an die bleibende Aufgabe, den Mitmenschen im Blick zu haben. Beides sind sicher lohnende Angebote für Neuzugezogene wie Alteingesessene. Ähnliches können wir uns später auch für den Fasanenhof vorstellen.

Daneben führen wir auch die Gedanken der Grenzen des Wachstums und der Nachhaltigkeit aus der Schwerpunktreihe im Januar fort, indem wir den Film ‚Tomorrow‘ nochmals im Fasanenhof zeigen und – ganz praktisch – einen nachhaltigen Kochkurs anbieten.

Auch die Wahrnehmung anderer Gemeinden und Religionsgemeinschaften, die in Möhringen bzw. in Stuttgart vertreten sind, führen wir fort mit einem Besuch der Synagoge. Als Nachklapp zum 50. Todesjahr von Karl Barth (1886–1968) bieten wir einen Abend an, der seine Bedeutung für uns heute würdigen soll; immerhin wird er ja von vielen als ‚Kirchenvater des 20. Jahrhunderts‘ bezeichnet.

Nach wie vor bieten wir auch unsere Veranstaltungen an, die Körper und Geist gesund erhalten sollen, manche nun in Möhringen und im Fasanenhof, was uns angesichts des regen Zuspruchs durchaus angemessen erscheint, erspart es doch den Besuchern – meist der älteren Generation – lange Wege.

Seit dem ersten Januar sind wir nun eine größere Gemeinde aus Möhringen und Fasanenhof. Dies gilt es auch für den Bereich der Erwachsenenbildung umzusetzen. Wie können sich Angebote in beiden Gemeindeteilen sinnvoll ergänzen, wie können wir Bedürfnisse in beiden Gemeindeteilen am besten berücksichtigen? Es geht dabei um mehr als nur dasselbe in beiden Stadtteilen anzubieten. Gibt es Angebote, die – angesichts einer durchaus unterschiedlichen Bevölkerungsstruktur – sich für Möhringen oder den Fasanenhof besonders nahelegen?

Sie sehen, all dies ist in Fragen formuliert. Wir sind als Verantwortliche hier noch mitten im Prozess und im Nachdenken. Anregungen hierzu – auch inhaltliche Vorschläge – nehmen wir gerne auf.

Nun wünsche ich Ihnen viel Freude, nicht nur beim Durchblättern und Durchlesen des Programmhefts, sondern hoffentlich auch beim Besuch der einen oder anderen Veranstaltung.

Ich grüße Sie, auch im Namen des Treff-am-Turm-Beirats!

Ihr Pfarrer
Dr. Winfried Maier-Revoredo